Forderungen
der Kölner Falken zur Kommunalwahl 2009
Als
politischer Kinder- und Jugendverband setzen sich die Falken
seit über 100 Jahren für die Interessen von Kindern
und Jugendlichen ein. Dazu gehört selbstverständlich
auch, dass wir uns aktiv in die Kommunalpolitik einbringen
und eigene Forderungen aufstellen. Bei der Ausarbeitung haben
wir uns an den Wahlprogrammen der KölnSPD und der Kölner
Jusos orientiert und uns auf die Themenschwerpunkte Bildung/Schule,
Armut und Jugendverbandsarbeit/Ehrenamt konzentriert, obwohl
wir der festen Überzeugung sind, dass zu einer kinder-
und jugendgerechten Stadt auch städtebauliche, arbeitsmarktpolitische
Fragen und viele mehr gehören.
Beste Bildung für alle
Bildung
in Deutschland darf nicht unter die Verwertungslogik fallen
und nur dem Zweck dienen Menschen so zu formen, dass sie der
Wirtschaft nützen. Wir sehen Bildung als Selbstzweck
und sprechen uns für eine Bildung für die Gemeinschaft
aus. Das heutige Schulsystem in der Bundesrepublik Deutschland
widerspricht diesem Anspruch und fördert durch Noten
und im Besonderen durch Kopfnoten die Ellenbogenmentalität.
Damit die bestmögliche Bildung für jedes Kind Realität
werden kann, fordert die SJD – Die Falken die absolute
Lernmittelfreiheit, denn Bildung darf nicht vom Geldbeutel
der Eltern abhängig sein. Daraus folgt auch, dass die
städtischen Bibliotheken für alle Menschen aus Köln
kostenlos zugänglich sein sollten.
Eine
andere Schule muss möglich sein
Eine
immer wiederkehrende, aber dennoch ungemein wichtige Forderung
ist die Forderung nach kleineren Klassen und mehr Lehrpersonal
an den Schulen. In Klassen mit 30 und mehr SchülerInnen
kann niemand produktiv arbeiten und lernen. Durch die Einführung
von G8 wird die Lernsituation noch verschlimmert. Die Stundenpläne
werden voller und es bleibt weniger Zeit, so dass der Stoff
aus dem Lehrplan immer mehr durchgepeitscht wird. Die Falken
sind der Ansicht, dass G8 nur unter wirtschaftlichen Aspekten
eingeführt wurde, denn wer früher seinen Abschluss
hat, kann früher anfangen zu arbeiten und der Wirtschaft
zur Verfügung stehen und dem Staat Steuern zahlen. Kinder
und Jugendliche sollten weiterhin die Chance haben, 13 Jahre
zur Schule zu gehen. Denn die Schulzeit ist für die persönliche
Entwicklung ein enorm wichtiger Zeitraum. Wir sind gegen die
Verkürzung der Kindheit! Außerdem wird es so für
SchülerInnen anderer Schulformen schwieriger nach der
10. Klasse auf das Gymnasium zu wechseln, weil noch viel mehr
Stoff nachgeholt werden muss. Eine Unterscheidung zwischen
einem Abitur 1. Klasse (nach dem 12.) und 2. Klasse (nach
dem 13. Schuljahr) führt nur zur weiteren Selektion.
Ein Auslandsaufenthalt wird gänzlich unmöglich.
Die Kölner Falken sprechen sich gegen das halbherzige
Modell der Gemeinschaftsschule aus, das lediglich die drei
Schulformen unter einem Dach unterbringen soll. Wir fordern
eine neue integrative Gesamtschule, bei der alle SchülerInnen
bis zur 10. Klasse gemeinsam lernen und sich anschließend
entscheiden können, ob sie das Abitur machen möchten.
Auf einer solchen integrativen Gesamtschule müssen neben
mehr und besser geschultem Lehrpersonal auch verstärkt
PädagogInnen arbeiten.
Die professionelle Zusammenarbeit mit den SchülerInnen
ist auch in der Übermittagsbetreuung wichtig. Hier ist
traditionell der Ort für ehrenamtliches Engagement oder
Arbeit auf einer geringen Lohnbasis. Hier ist eine bessere
Schulung der Eltern von Nöten, die mit den Kindern einen
großen Prozentteil des Tages verbringen und ihnen (in)direkt
Werte und Verhaltensweisen vermitteln.
Selbstständige
Schule als Lösung? Echte Mitbestimmung, statt Stiftungseinfluss!
Im
Grundsatz ist die Sozialistische Jugend für autonomere
Schulen, an denen SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern
gleichberechtigt über die Belange der Schule entscheiden,
doch darf die Wirtschaftlichkeit einer Schule nicht im Vordergrund
stehen. Die selbstständige Schule zwingt unter freiheitlichem
und demokratischem Deckmantel die Schule in Unternehmens-
und Wirtschaftslogik! Darum fordern wir, dass städtische
Schulen nicht mit Unternehmenstiftungen, wie zum Beispiel
Bertelsmann, zusammen arbeiten, denn bei Unternehmenstiftungen
wird die Bildung immer unter wirtschaftlichen Blickpunkten
behandelt. Wir sind gegen eine Privatisierung von Schulen,
denn Bildung muss immer Aufgabe des Staates bleiben und so
einem echten demokratischen Konsens unterliegen! Schule muss
das Subjekt ausbilden, muss gemeinschafts- und demokratiefördernd
sein und darf kein Training für das wirtschaftliche Leistungsprinzip
sein und inhaltlich von Stiftungen beeinflusst werden!
Damit die Schule ihre Aufgabe in der Gesellschaft erfüllen
kann, muss also jenseits von der Zusammenarbeit mit Stiftungen
und monetärer Abhängigkeit Mitbestimmung gelebt
werden. Das funktioniert nur mit neuen Demokratiemodellen,
in denen nicht nur die von Haus aus engagierten SchülerInnen
gemeinsam mit ihren Eltern Parlamentarismus nachspielen. Die
Gestaltung des Lernraums muss in den Klassen besprochen werden,
Interessensausschüsse können gebildet werden usw.
usf.
Schule
ist auch Berufsschule!
In
der Schuldiskussion wird hauptsächlich über Gymnasien
gesprochen. Das Thema Berufschule steht selten oder nie auf
der Tagesordnung. Doch wenn man sich den Zustand der Berufsschulen
anschaut, könnte man meinen, es handelte sich um Schulen
von geringerer Relevanz. Die Gebäude sind schlechter
und liebloser und meist unangemessen weit weg vom Stadtkern.
Wenn wir über Schule reden, müssen wir auch über
Berufsschulen sprechen!
Die SJD- Die Falken unterstützen in den Fragen der Ausbildung,
Jugendarbeit und -arbeitslosigkeit das Programm der Kölner
DGB- Jugend.
Bildung
zur Partizipation bedeutet auch Ehrenamtsförderung!
In
Köln gibt es viele Verbände und Vereine, in denen
BürgerInnen die Möglichkeit haben, sich je nach
religiösem oder politischem Zugehörigkeitsgefühl
zu engagieren, viele davon sind Jugendverbände.
Diese Jugendverbände sind nicht nur als „Übernachmittagsbetreuung“
anzusehen, oder dafür da, „die Kinder von der Straße
zu holen“. Sie sind viel mehr! Sie sind Orte, an denen
Kinder und Jugendliche jenseits von Bevormundung lernen, freiwillig
in Gesellschaften zusammen zu leben und sich für sie
verantwortlich zu fühlen. Sie sind Möglichkeit der
Informationsbeschaffung jenseits von Konsumblättchen,
die sexistische und leistungsorientierte Klischees wiedergeben.
Das alles ist existenziell für eine Demokratie und für
eine Kommune! Deswegen fordert die SJD- Die Falken die Förderung
auch von politischer Kinder- und Jugendarbeit! Hier gilt es
progressiv zu denken.
Partizipation von Kindern und Jugendlichen muss des Weiteren
konsequent zu Ende gedacht werden und kann nicht bei Vorzeigemodellen
und nachgespieltem Parlamentarismus stehen bleiben.
Mobilität
Die
neuen Bestimmungen der KVB zur Reinlichkeit in Bus und Bahn
treffen nicht den berufstätigen Mann mittleren Alters,
der sein Butterbrot aus der Dose holt, sondern richten sich
besonders an bzw. gegen die Menschen, die am meisten auf öffentliche
Verkehrsmittel angewiesen sind und dort vermeintlich das Ruhe-
und Sauberkeitsbedürfnis anderer beschränken: Obdachlose
und Jugendliche. Wir wehren uns gegen die Kriminalisierung
und die Einschränkung einfachster Freiheitsrechte, um
zu regeln, was man in einer lebendigen Gemeinschaft von kommunikationsfähigen
BürgerInnen nicht regeln muss! Hier wird aktive Ausgrenzung
betrieben, die die Demokratie- und Konsensfähigkeit der
BürgerInnen minimiert und sie entmündigt.
Was das Thema nächtliche Mobilität betrifft, unterstützen
die Kölner Falken die Forderung der Jusos nach einem
erhöhten Bahnfahrtakt oder dem Einsatz von Bussen in
der Nacht. Doch sind wir der Meinung, dass die anfallenden
Kosten nicht durch Sponsoring getragen werden sollten, denn
die Leistungen der KVB als städtisches Unternehmen sollten
unabhängig von anderen Unternehmen bleiben.
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