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Planspielbericht:

 

„Krachmacherstrasse soll endlich bebaut werden – und schon gibt es Streit

Nach fünf Jahren ist das ehemalige Firmengelände in der Krachmacherstrasse zur Bebauung freigegeben. Jetzt scheinen die Probleme erst richtig loszugehen. Bisher lagen nur die Pläne für ein Parkhaus in der Schublade der Verwaltung. Doch jetzt werden auch die Forderungen nach einem Jugendzentrum laut. Dieses wurde ebenfalls beantragt.
Eine schöne Zwickmühle für unseren Stadtrat, denn die Entscheidung muss am Mittwoch fallen.“

Mit diesem Artikel der ersten Sonderausgabe der Lagerzeitung startete am Montag, den 12.8.02. unser viertägiges Planspiel, in dem es um politische Entscheidungen im Stadtteil ging. Ziel war es, den TeilnehmerInnen einen ersten Einblick in die kommunalpolitischen Entscheidungsprozesse zu geben. In sechs verschiedene Interessensgruppen aufgeteilt (Bürgermeister, Ökopartei, Wirtschaftspartei, Geschäftsleute, Eltern, Kinder) hatten sie die Aufgabe, Argumente für oder gegen eines der Projekte zu sammeln, Verhandlungen mit den politischen Gegner oder den politische Verbündeten zu führen, Termine beim Bürgermeister zu machen oder die Presse in ihre Öffentlichkeitsarbeit mit einzubeziehen.
Schnell bildeten sich zwei Bündnisse: die Wirtschaftspartei und die Geschäftsleute des Einkaufzentrums machten sich für ein Parkhaus stark, das neue Kundschaft in den Stadtteil sollte und somit mehr Umsatz und Arbeitsplätze vor Ort bringen sollte, während Kinder, Eltern und Ökopartei sich für ein Jugendzentrum einsetzten, das den Kindern endlich eine Möglichkeit bieten sollte, ihre Freizeit sinnvoll in einer sicheren Umgebung zu gestalten, statt auf der Strasse den Gefahren des Straßenverkehrs ausgesetzt sein zu müssen.
Es galt also, die Öffentlichkeit und letztlich auch den Bürgermeister durch Straßenfeste, Demonstrationen und Gegendemonstrationen, Unterschriftenaktionen, Leserbriefe und Presseerklärungen und durch persönliche Gespräche von den eigenen Argumenten zu überzeugen. Zusätzliche Gerüchte über geheime Absprachen und Bestechlichkeit des Bürgermeister erschwerten die strategische Planung.
Am vierten Tag (immer zweistündig) schließlich, war es Aufgabe der jeweils drei DelegiertInnen der Parteien, die Argumente in der Ratssitzung noch einmal auf den Punkt zu bringen, um dann über die Bebauung der Fläche abzustimmen. Erwartungsgemäß gab es im ersten Wahlgang einen Gleichstand, so dass im zweiten Wahlgang der Bürgermeister die schwere Aufgabe hatte, für seinen Stadtteil die beste Entscheidung zu treffen.
Nach sorgfältiger Überlegung entschied er sich schließlich für das Parkhaus, da ihm die Argumente der Wirtschaftspartei schlüssiger erschienen, zumal sich durch das Wachstum des Einkaufszentrums auch die Stadtkasse füllen würde.
„Ich werde mich aber dafür einsetzen, dass die Mehreinnahmen durch das Parkhaus im nächsten oder übernächsten Jahr für den Bau eines Jugendzentrums verwendet werden. Das Jugendzentrum ist unser nächstes Projekt“, so der Bürgermeister in seinem Schlusswort.
So war die Entscheidung nach harter Arbeit endlich gefallen, auch wenn das eine oder andere Kind den Tränen nahe war und mit einem zerknitterten Plakat „Jugendzentrum statt Parkhaus“ vor dem Bürgermeistertisch stand und traurig sagte: „aber das Jugendzentrum...???“
Spätestens da kamen auch der Spielleitung die Tränen der Rührung, und sie fragte sich, ob sie nicht besser mit einer Aktionskarte die Entscheidung für das Jugendzentrum gesichert hätte.
Aber da ein Planspiel auch möglichst die Wirklichkeit widerspiegeln soll, wurde einmal mehr gegen die Interessen von Kindern und Jugendlichen entschieden. Traurig aber wahr.
Aber vielleicht haben die TeilnehmerInnen zumindest mitgenommen, dass man immer versuchen sollte, seine Meinung zu vertreten.